|
|
|
Schleimünde, der Leuchtturm
|
LENA's Reisen 18
Die Ostseeküste von Fehmarn bis Kolberg
Die Winterzeit ist rum. Lena verfügt nun über einen Plotter, eine kleine Gefrierbox, die neue Rettungsinsel, einen neuen Rettungskragen und ein Blitzlicht zum Hinterherwerfen. Das Ladegerät musste ersetzt werden, die Gasanlage geprüft, neues Antifouling usw. usw. Und nun schwimmt sie wieder. Alles ist eingeräumt und um 9:15 legen wir am 3. Mai in Arnis ab. Endlich wieder fahren! Die Klappbrücke in Kappeln hält uns nur kurz auf, Schleimünde wird bei Ententeichbedingungen passiert. Unser Generalkurs ist Ost.
Zum Eingewöhnen gibt es Wind aus E-NE um die 4 Bft, einen bedeckten Himmel, später etwas Regen und es ist ziemlich kühl. Die Fahrheizung sorgt aber für Wärme unter Deck und die Kapuze hält uns schön trocken. Na ja, es ist ja auch erst Anfang Mai. Nach fünf Stunden legen wir in der Marina Wendtorf an. Kein so toller Platz, der Verfall schreitet, wenn auch langsam voran.
Aber für uns ist es ja nur eine Durchgangsstation. Wir wollen weiter nach Fehmarn, dazu müssen wir aber erstmal rausfinden, ob unsere Marine die Schiessgebiete benutzt, oder uns passieren lässt.
|
|
Wir telefonieren am nächsten Tag mit der zuständigen Stelle und bekommen grünes Licht, die Zone direkt hinter den gelben Tonnen zu befahren, weil am Mittwoch nur "Kurzbahn" geschossen wird. Das erspart doch grössere Umwege und wir werden unterwegs auch nicht weiter behelligt. Einige Sportbootfahrer nehmen aber munter Kurs auf das aktive Schiessgebiet und werden per Sprechfunk oder durch die Marineboote massiv gebeten, das Sperrgebiet direkt zu verlassen oder nicht dort reinzufahren. Anscheinend klappt die Fahrtvorbereitung nicht immer so richtig.
Weil wir aber so artig sind, hat Petrus ein Einsehen und verschiebt das nächste Regenwetter, bis wir in Burgstaken festgemacht haben. Sogar die Sonne guckt mal durch, es flaut etwas ab und wir geniessen die Fahrt. Die Fehmarnbrücke kommt schon früh in Sicht, ist ja auch ziemlich gross. Die Marina ist ganz übersichtlich, aber auch ganz leer. Wir suchen uns einen Platz an einem der Kopfstege. Das Liegegeld wird bei einem Ausrüster am Hafen bezahlt, so früh im Jahr ist der Hafenmeister nicht dauernd da.
Der angekündigte Regen kommt mit Wind aus NE, 7 Bft, in Boen gerne mal mehr. Manchmal ist es auch im Hafen ganz schön. Wir wandern mal durch den Ort, mein Mitfahrer findet einen Bäcker für die obligatorischen Brötchen sichert so die gute Laune für den nächsten Morgen.
|
Fehmarn, Marina Burgstaken
|
|
Wismar, im alten Hafen
|
Mit Wismar liegt die erste Hansestadt liegt vor uns, die mir (wie alle nun östlich folgenden) ganz unbekannt ist.Die alte Dünung schaukelt uns etwas durch, ansonsten verläuft die Fahrt bei leichtem Regen und Temperaturen um die 12 Grad ohne besondere Vorkommnisse.Wir finden einen guten Liegeplatz, der ist genauso preiswert wie das Essen in Mecklenburg Vorpommern und liegt angenehm unter den Preisen in den gebrauchten Bundesländern. Für mich eine nette Überraschung.Und natürlich haben wir ein gutes Restaurant gefunden.
Viel schöner ist aber die inzwischen liebevoll restaurierte Stadt. Wir machen einen ausführlichen Spaziergang (gefühlte 10 km) und finden immmer wieder richtig gute Ansichten. Egal, ob es ganze Strassenzüge, alte Kirchen oder Plätze sind, die Stadt ist eine Reise wert. Und der Tourismus ist Anfang Mai nicht so heftig, das er stören würde (das mag auch am Wetter liegen). Am Hafen gibt es Räucherfisch vom Kutter und direkt nach dem Festmachen die letzten zwei Bratwürste und ein Bier gleich am Liegeplatz vom Wurststand. Die Liebe zu alten Städten geht eben auch durch den Magen.
Die nächste Überraschung liefert mein Aldi-Internetstick. Es liegt UMTS an, vorher gabs nur EDGE. Das reicht bei der 14 Euro/Flatrate zwar auch dicke zum Wetterbericht schauen, für die mails und einen Blick ins Bankkonto, aber mit UMTS gehts eben doch etwas schneller.
|
|
Wir sind unterwegs nach Warnemünde, Rostock wird wegen der Törnplanung ausgelassen. Leider ist im alten Strom kein Liegeplatz zu bekommen, so müssen wir in die Marina Hohe Düne fahren. Die ist ziemlich leer, als Aussenstehender könnte man auf heftige wirtschaftliche Probleme schliessen. Aber wenigstens ist das Liegegeld auf West-Niveau. Und schön finden wir es dort auch nicht. Die im Liegegeld inbegriffene kleine Personenfähre über den Seekanal fährt so selten, das wir die (kostenpflichtige) Autofähre nehmen.
Warnemünde kann mit Wismar nicht mithalten, nur die grossen Fähren sind beeindruckend. Ansonsten gibt es viel mehr lästigen Tourismus, auch mal mit etwas Abzocke. Folklore finden wir bei irischen Liedern und den Don-Kosaken im Miniformat. Na ja, wenns denn sein muss.
Da grillen wir doch lieber zwei Steaks aus dem Gefrierer und essen dazu die selbstgemachten guten Bratkartoffeln. Das Wetter lädt zwar nicht unbedingt dazu ein, aber wir haben auch die Bimini-Fenster und Türen geschlossen, so geht es fast noch. Der Starkwind hält uns einenTag fest, wir gehen rasch noch etwas einkaufen, bevor es wieder anfängt, zu regnen.
Immerhin kriegen wir Lena mit Generator oder Landstrom und der Dieselheizung wenigstens brauchbar warm und brauchen unter Deck keine dicken Pullover.
|
Bick von Hohe Düne auf den alten Strom
|
|
Unterwegs nach Barhöft
|
Mit 51 Seemeilen gehört der nächste Schlag schon zu den Längeren. Bis Barhöft gibt es ausser dem Nothafen am Darßer Ort kein Unterkommen, für uns kein Problem. Nur was macht jemand mit einem Boot, das da schon Probleme hat? Gelegentlich kann man schon nachdenklich werden, besonders wenn man an den sehr grossen Campingplatz in der Nähe des Nothafens denkt. Aber dort ist ja auch kein Nationalpark mehr!
Wir brauchen bei Lenas Marschfahrt gute 7 Stunden. Die engen Fahrrinnen vor Barhöft sind gut betonnt, der Plotter macht das Fahren leicht. Wir halten uns in der Küstenverkehrszone und bleiben der Zone rot des Nationalparks fern.
Die kleine Marina Barhöft selber wird noch feste umgebaut, wir finden aber einen ordentlichen Platz längsseits am Kopfsteg (die Pfahlboxen wären mal wieder zu eng gewesen). Strom und Wasser gibt es zur Zeit nicht, dafür aber am späten Nachmittag etwas Sonne.
Der neue Regler unseres Gasgrills regelt nicht, anscheinend werden die Teile auch keiner Funktionskontrolle beim Hersteller mehr unterzogen. Immerhin kann man ihn zerlegen und neu einstellen. Ohne den Magma-Grill wäre die Bordküche doch etwas eintönig.
|
|
Am nächsten Morgen fahren wir die paar Meilen durch den Strelasund und machen in der City-Marina von Stralsund fest. Der Platz ist etwas schwellig, sonst aber ganz gut. Wir bezahlen unsere Liegegebühren und dazu den ordentlich teuren Strom. Den gibt es aber nicht lange, weil irgendwo in der Verteilung an Land ein Problem ist. Und der Hafenmeister ist nur Morgens und Nachmittags kurz anwesend. Na ja, Stunden später können wir per Chipkarte wieder Saft beziehen. Derweilen wir die Gorch Fock an ihrem letzten Liegeplatz besichtigen, uns über die gar nicht passende weisse Blechfront des Ozeaneums in der schönen Stralsunder Backstein-Silouette wundern und einen kleinen Stadtbummel machen, fängt es wieder an zu regnen.
Auf dem Liegeplatz hinter uns ärgert sich der Bootfahrer weniger über das Wetter: ihm ist ein grösserer Kugelfender abhanden gekommmen. Wir sehen ihn auch erst, als er schon weit weg Richtung Hiddensee unterwegs ist.
Weil die Wetterfrösche den nächsten Starkwind (oder mehr) ankündigen, beschliessen wir, uns in Greifswald zu verkriechen. Da sind nur knappe 30 Meilen und ausserdem ziemlich binnen. Der Wind frischt auf dem Weg schon ordentlich auf. Es wird eine öde Fahrt, Nieselregen, kalt und am Ende kaum freie Liegeplätze. Wir gehen an den Steg der Hanse-Yachtwerft und sind da gut aufgehoben.
|
in der City Marina in Stralsund
|
|
Das Wetter hält uns bis Mittwoch in Greifswald auf, die Zeit ist aber nicht verloren. Wir begucken die Stadt, die sich prächtig herausgemacht hat. Durch die Uni und die zahlreichen Studenten ist sie ganz lebendig, die schön restaurierte alte Archtektur ist gut anzusehen und wenn es etwas wärmer wäre, könnte man viele Platze zum Verweilen finden. So halten wir aber eher nach einer geheizten Kneipe Ausschau. Wir wandern, nachdem der Regen etwas nachgelasen hat, ziemlich weit durch die Stadt, die sicher eine Reise wert ist.
Genauso interessant ist die Hanse-Werft. Hier ist man anscheinend trotz der Krise gut beschäftigt, viele neue Boote warten auf die Auslieferung. Und wir können einige neue Eigner sehen, die gerade ihr Boot in Empfang nehmen.
Etwas überraschend ist die Strömung in dem Kanal nach Greifswald, ich bekomme die beim Anlegen zu spüren. Die Ryck ist nämlich gar kein Kanal, sondern ein Fluss und der versetzt LENA ganz kräftig. Nach der ersten Schrecksekunde schaffen wir es dann aber doch noch, festzumachen. Na ja, es kann ja nicht alles auf Anhieb klappen.
|
Greifswald
|
|
Grillen in Swinemünde
Unser Liegeplatz
|
Die polnische Gastlandflagge liegt bereit, wir sind unterwegs nach Swinemünde. Mal sehen, was wir dort vorfinden. Erstmal beschäftigt uns aber die alte Dünung, 1,5 m Wellen fast genau von querab. Wir ändern den Kurs etwas, die Schaukelei wird weniger, dafür brauchen wir aber fast 8 Stunden. Und es wir immer diesiger, die Sicht wechselt zwischen 500 und 100 m. Also Radar an und aufpassen. Netterweise haben die polnischen Küstenfischer sehr kleine Reflektoren auf den Netzstangen, die ich (mangels Erfahrung damit) erstmal für kleine Boote halte. Man lernt eben nie aus! Die Karte auf de Plotter führt uns aber in den sehr breiten Hafenkanal, es gibt nur wenig Verkehr von den grossen Fähren und die Marina ist einfach zu finden.
Der Versuch, sich über VHF beim Hafenkapitän anzumelden, (oder beim Zoll) klappt nicht, keinerlei Antwort. Per Handy meldet sich vom Hafen zwar eine Frauenstimme, die aber keine Zeit hat. Merkwürdig. Anscheinend stimmen die Telefonnummern der Törnunterlagen nicht. Immerhin bekomme ich kurz darauf eine SMS mit der Frage, ob wir uns denn kennen würden. Meine 'unbekannte Freundin' schreibt, das sie gerade im Bus gesessen hätte und nicht so recht sprechen konnte. So was! Ich rufe sie nochmal an und kläre das Missverständnis auf.
Wer weiss, evt. war sie ja eins von den hübschen Polenmädchen.
Den Zollanleger aus dem Küstenhandbuch gibt es ja noch, wir machen kurz fest, um festzustellen, das es hier keinen Zoll mehr gibt. Die Zollstelle an der Einfahrt zur Marina gibt uns dann zu verstehen, das wir einfach weiterfahren sollten, Schengen sei Dank! Das geht ja noch viel unproblematischer, als gedacht und in den Büchern oder im Internet beschrieben.
Die Marina ist in Ordnung, preiswert,hat sehr saubere Sanitäranlagen, ein W-Lan, wir bekommen einen Stadtplan und werden sehr freundlich empfangen. Ein paar Nachsprechübungen des polnischen Ortsnamens kompletieren den ersten Kontakt. Abends werfen wir unseren Grill an, am Tag drauf gehen wir in der Stadt essen. Das Spitzenrestaurant Kaiser bietet neben einer Einrichtung aus den Kaiserbädern, richtig alt und schön, sehr gutes Essen. Für ein paar gute Pilsner und ein prima Zanderfilet bezahen wir pro Nase nicht mal 14 Euro. Kaum zu fassen.
Die Stadt ist super restauriert, auffällig sauber und lädt zum Bleiben ein.
Weil wir aber weiter wollen, schliesslich steht Danzig auf dem Plan, kaufe ich nur noch eine lokale Simkarte für meinen Aldistick, spottbillig und kann ab jetzt für etwa 4 Eurocent pro MB ins Netz. Und das mindestens mit UMTS.
|
|
56 Seemeilen sind es bis Kolberg, wir starten bei kühlem N-NW Wind, aber mit gelegentlichem Sonnenschein. Nach zwei Stunden fahren wir in eine riesige Nebelbank, die uns bis zur Ankunft in Kolberg begleitet. Die Sicht ist um die 50 m, das Radar muss für uns Ausguck gehen. So richtig Spass macht das nicht, zumal klar ist, das wir trotz Radar nicht alles, was auf dem Wasser schwimmt, richtig und rechtzeitig sehen. Und nach sechseinhalb Stunden Besichtigung des Bildschirms ist man auch etwas strapaziert.
Wir nähern uns den Molenköpfen des Seekanals, Radar und Karte passen nicht so ganz perfekt zusammen und ich mache ein Hartruder und Aufstopmanöver, um den Steinen der Mole nicht zu nahe zu kommen. Sehen kann man die erst, als es fast zu spät ist. Wenigstens bin ich jetzt wieder richtig wach.
Im Hafen dirigiert uns der Hafenmeister an einen Traditionssegler, eigentlich hätte es auch noch andere Plätze gegeben, aber wenn er es so will, fügen wir uns. Die etwas renovierungsbedürftige Marina steht in krassem Gegensatz zur Stadt. Die ist noch schöner als Swinemünde. Es lohnt sich wirklich, hierher zu kommen. Wir freuen uns weiter über die freundlichen Menschen, die niedrigen Preise und ein paar Stunden Sonne am nächsten Tag. Nur warm will es nicht werden. Einstweilen ist es schon der 23. Mai. Die Wetterprognosen deuten darauf hin, das wir Danzig nicht vor dem Manatsende erreichen können. Die Besichtigung und die Rückfahrt würden damit wohl zu eng werden. Was tun?
|
Grün in Kolberg
|
|
Richtung Stettiner Haff
|
Schweren Herzens geben wir die Idee, bis Danzig zu kommen, auf. Wir wollen uns nicht selber zwingen, unter Umständen zu fahren, bei denen man eigentlich besser im Hafen bleibt. Und ein sehr enger Zeitplan ist da kein guter Berater. Also überlegen wir, wie die nun gewonnene Zeit zu nutzen ist. Das Stettiner Haff, der Peenestrom mit dem Achterwasser, evt. auch die Peene selbst und dann Rügen kommen in die Auswahl. Weil es schon wieder reichlich Wind in der Ansage hat, verlassen wir Kolberg am Sonntag in aller Frühe. Erstmal gibt es aber nur W-NW 3-5 und wieder dicke Milchsuppe. Der Starkwind lässt auf sich warten, als wir in Swinemünde einlaufen, scheint sogar die Sonne. Erst in der Nacht auf Dienstag wird es mit 8 -9 Bft doch noch ungemütlich. Wir liegen aber gut geschützt im Hafen. In der Stadt finden wir einen brauchbares Geschäft und kaufen etwas Bernstein. In Polen gibt es davon noch reichlich, deswegen ist er auch halbwegs bezahlbar.
Wir geniessen nochmal das gute Essen in Swinemünde und verabschieden uns von Polen. Die nächste Station ist Ueckermünde und das liegt ja schon wieder in Deutschland. Durch die Mellin und die Kaiserfahrt geht es ins Haff (man verzeihe mir die deutschen Ausdrücke, polnisch ist eben eine schwere Sprache).
|
|
Das Haff bietet ausser den gelben Grenztonnen bei kaltem W-NW und etwas Sonne nichts Aufregendes. Wir werden weder kontrolliert noch sonstwie behelligt. Europa ist anderweitig beschäftigt, uns solls recht sein. In Ueckermünde finden wir einen brauchbaren Platz im Stadthafen und einen freundlichen Hafenmeister. Weniger nett ist die Besatzung und der Skipper eines Ausflugsdampfers, der hinter uns fest macht. Mit Gebrüll werden wir aufgefordert, sofort den Platz zu verlassen, andernfalls würde es einen "Versicherungsschaden" geben. Der Steg ist zwar auf 200 m ganz leer, wir ragen aber eine halben Meter in das nur mit einem Zettel bezeichnete reservierte Liegegebiet. Der Hafenmeister hatte damit keine Probleme. Die unflätigen Kommentare seitens der weissen Flotte hören nicht auf. Und weil der Klügere nachgibt, verlegen wir zwei Plätze nach hinten. Netterweise hat dort gerade ein Kollege abgelegt. Eigentlich geht man so mit zahlenden Kunden nicht um. Oder hatte der Skipper noch die Manieren aus alten Zeiten? Eine Protestmail an die Touristenbetreuung bleibt natürlich unbeantwortet. Als Ausgleich hier ein Bild des Bootes, dessen Besatzung noch viel dazu lernen muss.
Wir gucken uns die schöne Altstadt an und gehen Einkaufen. Deutschland hat uns wieder.
|
nettes Schiff und cholerische Besatzung
|
|
Anklam, im Motorbootklub
|
Die Peene ist für uns bis Anklam befahrbar, danach sperren zwei feste Brücken den Weg. Also biegen wir vor der Zecheriner Brücke nach Bb ab und finden und sehr bald auf einem ganz naturbelassenem, friedlichem Gewässer wieder. Die Ufer sind meistens mit Schilf bewachsen, weiter hinten steht Wald, es gibt reichlich Vogelleben, sonst ist es ganz still. Schön! Der Regen hört auf, noch ein paar kurze Schauer und ein Gewitter. Wir erreichen die Eisenbahnbrücke von Anklam, die öffnet sogar 10 min vor der Zeit und lässt uns durch zum Anlegeplatz beim Motorbootklub Anklam. Dessen Telefonnummer haben wir per Internet aus den gelben Seiten und der Vorsitzende hat uns den Platz beschrieben. Er ist auch selbst anwesend und so werden wir ganz herzlich begrüsst. Kein Vergleich zu den unfreundlichen Zeitgenossen von der letzten Station. Wir erfahren etwas über die Geschichte des Klubs und bewundern die schöne Anlage. Da gilt: klein aber fein. Ansonsten bezahlen wir für Lena und uns ganze 8 Euro pro Nacht und erreichen den absoluten Tiefstpreis dieses Törns. Auch die anderen Klubmitglieder, die gerade da sind, begrüssen uns nett. Wir haben das Gefùhl, hier willkommen zu sein. Natürlich taucht die Frage auf, wie wir uns denn hierhin verirrt haben. Anscheinend finden nicht so viele Boote aus den gebrauchten Bundesländern hierher.
Anklam selbst ist eher wenig restauriert, 20 Jahre nach der Wende kann man immer noch viel ehemalige DDR besichtigen. Kein Vergleich mit den anderen Hansestädten!
|
|
Zinnowitz ist laut Törnführer einer der schönsten Häfen im Achterwasser. Zwei Brücken und ein paar Seemeilen Tonnenwege trennen uns von unserem nächsten Ziel. Immerhin bleibt das Wetter konstant: Schauer, Kälte und Wind! Es regnet auch mal etwas länger, wir kommen gar nicht recht dazu, die schöne Umgebung zu geniessen. Ein schwacher Trost: es gibt eine halbwegs funktionierende Dusche. So brauchen wir keine Klimmzüge machen, um Lena zu entfeuchten. Ansonsten erfahren wir, das der Hafen komplett umgebaut und etwas vergrössert wird. Wir sind wohl eines der letzten Boote, die noch den alten Zustand gesehen haben, die Arbeiten sollen in ein paar Tagen beginnen.
Etwas später dreht der Wind auf Nord, es hört auf zu regnen und wir fahren weiter. Statt nach Peenemünde zu fahren, bleiben wir in Wolgast im Peenestrom. Eigentlich wollten wir im Stadthafen nur auf die Brückenöffnung warten, aber weil es uns dort sehr gut gefällt, bleiben wir über Nacht, wandern durch die schöne Stadt und ergänzen unsere Bier-Vorräte.
Nur Liegegeld werden wir nicht los. Auf mehrfaches Nachfragen sagt man uns: der Hafenmeister kommt gegen Abend (was er nicht tut) oder früh am Morgen. Ein paar Minuten vor der Brückenöffnung legen wir ab... und als wir schon im Strom sind, taucht im Hafen tatsächlich der Mann auf und mault gleich mit einem Segler, der kurz nach uns loswollte. Na ja, uns hat er nicht mehr erreicht, selbst schuld, wenn man zu spät aufsteht.
|
Die Brücke von Wolgast
|
|
Rügen, ankern auf dem Zickersee
|
Wir laufen auf unseren ersten Ankerplatz zu. Ja, das Wetter soll wirklich etwas wärmer werden. Auf dem Weg Richtung Rügen fahren wir durch etwas schwimmendes Gras mit Stöckchen und bekommen irgendwas darunter liegndes in die Schraube. Die Leistung geht ruckartig zurück, sonst ist nicht ungewöhnliches zu beobachten. Die üblichen Manöver, um den Propeller wieder frei zu bekommen, helfen nicht richtig, bei unserer Marschfahrt Drehzahl sind wir rund eine Knoten langsamer, als gewohnt. Der Zickersee bietet eine begrenzte Stelle, die wohl vom früheren Kiesbaggern tief genug ist. Beim vorsichtigen Probieren, wie viel Platz dort ist, fahren wir uns fast fest. Vielleicht reinigt der zähe schwarze Modder wenigstens dabei die Schraube.
Kaum wird es etwas wärmer, kommen die Mücken. Da hat der Winter sie doch nicht umgebracht. Mit etwas "Off" (noch aus den USA) werde ich aber nicht weiter behelligt. Und der Grill hilft, die letzten Exemplare zu vertreiben.
Zwei ganz nette Ankertage nach all den Marinaaufenthalten entschädigen schon. Immerhin haben wir bereits den 4. Juni! Ich fahre mal ne Runde Schlauchboot, das verbessert die Laune auch kräftig. Ein paar Meilen um die Ecke schauen wir uns den Hafen von Seedorf an, wenig Platz und schon gehts wieder ankern. Die Bucht vor Seedorf liegt halbwegs geschützt und wir erleben nach fünf Wochen den ersten Frühsommertag. Unfassbar, es ist warm und fast windstill. Wir geniessen den Abend und rücken auch den Calvados-Beständen etwas zu Leibe.
|
|
Sieben Seemeilen sind es nur bis Lauterbach, dem Ostseehafen von Binz. Wir fahren bei Kaiserwetter das kurze Stück und finden um halbzwölf im Hafen den einzigen Liegplatz, der für uns taugt frei und ohne rotes Schild. Es lohnt sich eben doch, rechtzeitig anzukommen.
In Hafengebiet findet ein grosser Flohmarkt statt, es gibt auch Buden, die Bratwürste etc. anbieten. Wir bummeln da durch, lassen es uns gut gehen und kaufen zum Schluss eine kleine Schleswig-Holstein-Flagge mit Wappen für den Bug-Flaggenstock. Das hilft etwas gegen die Fragen. warum wir denn die niederländische Flagge verkehrt rum angebunden haben und bringt uns später noch einen spannenden Dialog mit der Wasserschutzpolizei ein.
Weil der "Sommer" ab Montag mal wieder pausiert (NE 6, Regen) bleiben wir einfach etwas länger. Der Montagsputz, eine To-Verstopfung mit anschliessender Kontrolle des Abwassertanks und ein Einkauf vertreiben die Zeit. Als es Dienstags nicht mehr regnet, fahren wir mit dem "rasenden Roland" nach Binz. Die Besichtigung des Kaiserbades wird mit einem guten Essen und einem herausragenden Eisbecher gekrönt. Lange nicht mehr so proppe gewesen!
|
Der "Rasende Roland"
|
|
Selten gebraucht!
|
Rund Rügen, mal sehen ob wir das schaffen. Die Kreidefelsen sind ja eigentlich ein Muss! Also nehmen wir Kurs auf Sassnitz, um von dort über Kap Arkona nach Hiddensee zu fahren. Es ist schwül warm, sonnig und weht schwach aus SE. Die alte Dünung kommt natürlich genau quer, wir fahren zum ersten Mal mit Flopperstoppern. Im Hafen von Sassnitz steht ein wenig Schwell, wir finden aber ein brauchbaren Platz und machen fest. Am nächsten Tag dreht der Wind auf NE, 6 Bft und die See rollt ungehindert um die Ecke in den Hafen. Trotz Ruckdämpfern versucht Lena mehrmals auf den Kai zu springen! Etliche Versuche, die Leinen etwas zu verändern, bringen nicht viel, die Nacht ist ungemütlich. Wir ergreifen am Freitag die Flucht, bevor es wieder sehr windig wird. Keine Kreidefelsen, aber auch keine spassraubende Fahrt.
In einer unruhigen See und begleitet von einem heftigen Gewitter fahren wir nach Gager. Der Hafen liegt sehr geschützt, die bald wieder anstehenden 8 Bft. können uns da nichts anhaben. Und noch besser, wir treffen ein paar Bekannte, die mit ihrem Segler unterwegs sind und auch auf besseres Wetter warten. Ein Abend zum Klönen auf dem Segelboot, mal was ganz anderes.
|
|
Über Stralsund geht es weiter nach Kühlungsborn. Wir holen den Besuch im Ozeaneum nach, innen ist es schon deutlich besser , als es von aussen aussieht. Ein wenig "Weiterbildung" ist aber dort wohl erwünscht. Na ja, ein zweites Mal brauchen wir das kurzfristig nicht noch mal anschauen.
Von Stralsund bis Kühlungsborn sind es 66 Seemeilen, wir legen deshalb schon um 5 Uhr in der Frühe ab. Als wir um 14 Uhr festmachen, meldet sich der Sommer zurück. Die Marina ist gross, wir finden einen guten Platz am letzten freien Kopfsteg und zahlen mit 23 Euro die höchste Liegegebühr der Reise. Sonst gibt es nichts auszusetzen, nur bleiben wollen wir hier nicht lange.
Am nächsten Tag geht es weiter westwärts nach Burgstaken auf Fehmarn. Wieder eine Schönwetterfahrt, der Starkwind kommt erst am Tag drauf. Eine anhaltende Hochdruckwetterlage gibt es anscheinend nicht mehr!
Ich nutze die Hafentage, ein paar kleine Lackschäden auszubessern, die Seewasserfilter werden gereinigt und die Seewettervorhersage erfreut sich mal wieder besonderer Beliebtheit. Für den kommenden Sonntag werden gute Bedingungen prophezeit, da werden wir Richtung dänische Südsee fahren und so die Schiessgebiete unserer Marine links liegen lassen.
|
Abends in Kühlungsborn
|
|
Kaum haben wir die Fehmarnbrücke passiert, frischt es gewaltig auf. NW 5, Starkregen und die Reste eines Gewitters bieten uns eine sehr unruhige See. Das muss nicht unbedingt sein, wir ändern unseren Kurs und laufen Heiligenhafen an. In der Tat, etwas Landschutz und schon normalisieren sich die Verhältnisse. Wir finden eine erstaunlich volle Marina vor, da haben wohl einige Kollegen das Auslaufen spontan verschoben. Trotzdem gibt es, knapp ausserhalb der eigentlichen Marina einen vorzüglichen Platz zum Anlegen, direkt vor einem Ausrüster und einer Hot-Dog-Bude. Der Hafenmeister meint zwar, das wir dort eigentlich nicht bleiben dürfen, also höchstens bis morgen, kassiert dann aber doch. Wir erkundigen uns bei dem Kiosk, bestellen auch gleich ein paar Hotdogs und werden fröhlich willkommen geheissen. Die Würstchen werden anschliessend an Bord serviert. Vorher bittet uns die Wasserschutzpolizei um eine Routinekontrolle. Na ja, wenns denn sein muss, wir haben nichts zu verbergen. Nach Studium des gesamten Papierkrieges findet sich nichts Mangelhaftes, nur meine alte Adresse aus den Niederlanden auf der Frequenzzuteilung wird moniert. Die Netzagentur hatte damit aber keine Probleme, dort wurde meine neue Adresse registriert, das Dokument aber nicht ausgetauscht. Den Brief habe ich dabei und unser Kontrolleur lernt was dazu. Nur unsere Bugflagge ist ein Straftatbestand, weil sie verbotenerweise mit dem Schleswig-Holstein-Wappen geziert ist. Das dürfen nur amtliche Stellen führen. Glücklicherweise haben die beiden Löwen aber keine roten Krallen, das ist also kein richtiges Wappen. Ich darf weiter in Freiheit leben. Manchmal glaubt man nicht, was man im wirklichen Leben geboten bekommt!!!
|
Beinahe ein Straftatbestand
|
|
Marstal, gut gefüllt
|
Marstal liegt 38 Seemeilen entfernt, bei NW3 und etwas Sonnenschein wird das eine schöne Fahrt. Der Hafen ist ziemlichvoll, anscheinend beginnt die Saison. Wie schon so oft, ist der letzte gute längsseits-Platz für uns, wir machen fest und trinken ein Ankommer-Bier. Dänemark erwartet uns schon. Dabei bringt die Besichtigung der schönen Kleinstadt für meinen Kollegen viele neue Eindrücke, in der dänischen Südsee war er noch nicht. Wir gehen (teuer wie immer) bei Super Brugsen einkaufen und essen im irischen Pub gut zu Abend. Nur die zänkischen Möven vor der Werft machen ordentlich Spektakel, ansonsten ist die Welt in Ordnung.
Die nächste Station zum Ankern ist Lyø, wir fahren in die riesige, fast leer Bucht, den klitzekleinen Hafen besuche ich nur per Schlauchboot. Die Sone scheint nun wieder richtig, es wird nett warm. Nur schade, das unser Törn schon bald zu Ende geht, hier kann man es aushalten.
Damit keine Langeweile aufkommt, schmort eine Ader der Sonnenzellenleitung in der Anschlussdose und muss erneuert werden. Mit gut zureden klappt das auch und nun haben wir unter Mittag wieder 6 Ampere Ladestrom aus den Solarmodulen. Die Kühlbox erreicht seit ein paar Tage nicht mehr die gewohnte Gefriertemperatur, mal sehen, ob das so sein muss.
|
|
Auf dem Weg "nach Hause" plane ich einen Besuch in dem Neuen Krug in Dyvig. Wir finden den Klasse Ankerplatz fast leer vor, auch die neue Steganlage, die nun fertiggestellt ist, hat einen Platz für uns. Nur der Krug selber öffnet erst in einer Woche. Sowas, dabei sah er doch letztes Jahr schon fast fertig aus. Wir müssen aber nicht hungern, grillen unsere letzten Köstlichkeiten und dezimieren den Getränkebestand. Lena wird noch etwas landfein gemacht und dann geht es weiter nach Sønderborg.
Dort erleben wir noch etwas eher Seltenes. Ein grosser dänischer Traditionssegler vertut sich beim Ablegen etwas mit einer Boe und streift Lena, anscheinend ziemlich geräuschvoll. Wir waren in der Stadt und finden, als wir zurückkommen, an Bord einen Zettel mit dem Tathergang vor. Es melden sich noch drei Zeugen und der Hafenmeister sagt uns, dass der grosse Segler heute abend nochmal zurückkommt, um seine zahlenden Gäste abzuliefern. Ich suche nach dem "Schaden", der sich als Schramme in Lack und Spachtel darstellt, nichts Aufregendes. Ich rede mit dem Skipper, nachdem er abends angelegt hat und bin sehr angenehm überrascht. Die nachgefragten 200 Kronen wechseln den Besitzer und wir bekommen dazu noch eine Flasche Rotwein als Entschädigung. Alles ohne Aufregeung, wir sitzen noch auf Lena zusammen und freuen uns, das es auch einsichtige Menschen gibt. Prima!
Und das Eis an dem Hafenkiosk ist immer noch von trefflicher Qualität, warum müssen wir bloss weiterfahren.
|
Dyvig, fertig, aber noch nicht eröffnet
|
|
fast zu Hause
|
Über Maasholm geht es zurück nach Arnis. Das Wetter versucht nun schon fast eine Woche, unsere Stimmung am Törnende aufzuheitern. Es ist schön warm und der Wind hat sich schlafen gelegt. Die Schlei hat heute fast keine Strömung, so einfach war das Anlegen hier eher selten
Die acht Wochen sind wie im Fluge vergangen. Das aus unserem Törn nach Polen mehr eine Besichtigung der alten Hansestädte geworden ist, macht nichts, wir haben ganz viel gesehen und begriffen.
Und wir sind dankbar, das wieder mal alles klargeggangen ist und Lena mit uns wohlbehalten wieder an die Schlei zurückgekehrt ist.
2010 sind wir während des Törns an 30 Tagen gefahren, 30 Tage haben wir in Marinas oder vor Anker gelegen. Der Diesel ist knapp 130 Stunden gelaufen und Lena hat dabei 833 Seemeilen zurückgelegt.
Die technischen Daten sagen aber nicht viel über den grossen Spass aus, den wir zwei Monate lang unterwegs auf der Ostsee hatten.
|
|
|
|